Elektrische Brände beginnen häufig nicht mit einem „großen“ Kurzschluss, sondern unscheinbar: an einer gelockerten Klemme, einem beschädigten Kabel oder an gealterten Isolationsstellen. Dort kann der Strom den normalen Leiterweg teilweise verlassen und als kleiner, aber gefährlicher Lichtbogen durch die Luft „überspringen“. Solche Lichtbögen sind schwer zu bemerken, erzeugen jedoch lokal Temperaturen von mehreren tausend Grad Celsius, verkohlen Isolierstoffe und können umliegende brennbare Materialien entzünden – während ein herkömmlicher Leitungsschutzschalter unter Umständen noch nicht auslöst.
Genau deshalb wurde die Lichtbogenfehler-Schutzeinrichtung (AFDD – Arc Fault Detection Device) als wichtiger Baustein moderner elektrischer Sicherheitskonzepte eingeführt.

Warum sind Lichtbögen so gefährlich?
Ein Lichtbogen ist nicht einfach nur ein Funke. Wenn er dauerhaft besteht oder wiederholt auftritt, entstehen typischerweise drei Risikoebenen:
Extrem hohe Temperatur: kann Leitungsisolierungen zerstören und Holz, Kunststoffe oder Staubablagerungen entzünden.
Heißpartikel und Spritzer: glühende Partikel können in verdeckte Bereiche gelangen und dort schleichend einen Brand auslösen.
Verkohlte, leitfähige Pfade: Lichtbögen hinterlassen Kohlespuren auf Isolieroberflächen, wodurch ein niederohmiger Pfad entsteht – Folge-Lichtbögen treten leichter auf und sind schwerer zu löschen.
Lichtbogenfehler gelten daher primär als Brandrisiko durch thermische Wirkung und nicht nur als klassisches Überstromereignis. Die US-Consumer Product Safety Commission (CPSC) weist darauf hin, dass herkömmliche Sicherungen und Leitungsschutzschalter auf frühe Lichtbogenereignisse oft kaum reagieren – ein Brand kann sich also bereits entwickeln, bevor ein Schutzorgan auslöst.
Wie schließt AFDD die Lücke der klassischen Schutztechnik?
In Niederspannungs-Verteilungen werden traditionell vor allem zwei Schutzarten eingesetzt:
Leitungsschutzschalter (MCB): schützt zuverlässig gegen Überlast und Kurzschluss, bewertet jedoch im Wesentlichen Stromhöhe und Zeitkennlinie – er erkennt keine „Lichtbogen-Signaturen“.
Fehlerstrom-Schutzeinrichtung (RCD/FI): schützt Menschen und reduziert Risiken durch Erdschluss/Fehlerströme, ist aber gegen Serienlichtbögen (ohne Fehlerstrompfad) und viele L-N-Lichtbögen nur eingeschränkt wirksam.
Ein AFDD analysiert dagegen kontinuierlich die Stromform: Er identifiziert typische Merkmale gefährlicher Lichtbögen wie Hochfrequenzanteile, nicht-sinusförmige Verzerrungen und intermittierende Entladungen. Wird ein Brandrisiko bestätigt, trennt das Gerät den Stromkreis sofort.
Die drei wichtigsten Lichtbogenfehlerarten
1) Serienlichtbogen (Series Arc)
Tritt innerhalb eines Laststromkreises auf, häufig durch: lockere Klemmen, angeknackte Leiter, gealterte Schalterkontakte.
→ Der Strom kann unterhalb der Auslöseschwelle eines MCB bleiben – der Fehler „versteckt“ sich.
2) Parallellichtbogen (Parallel Arc)
Zwischen Außenleiter und Neutralleiter (L-N) oder zwischen Außenleitern (L-L), meist durch: beschädigte Isolation, gequetschte Kabel, Scheuerstellen in Wand-/Rohrdurchführungen.
→ Kann schlagartig auftreten oder als intermittierendes Überschlagen – schwer zu detektieren.
3) Erdlichtbogen (Ground Arc)
Entladung von L nach PE/Erde. Ein RCD kann Teile solcher Fehler abdecken, jedoch enthalten Lichtbögen oft hochfrequente, instationäre Komponenten – klassische FI-Schalter lösen nicht in allen Fällen zuverlässig aus.
→ Deshalb gilt AFDD + RCD in Projekten mit hohen Sicherheitsanforderungen zunehmend als Standardkombination.
Normen und Regelwerke treiben die Verbreitung
International (IEC)
Produktnorm: IEC 62606 (Allgemeine Anforderungen an AFDD)
Installationsnorm: IEC 60364-4-42 empfiehlt AFDD in brandgefährdeten Bereichen, z. B.:
Schlafbereiche (Wohnungen, Hotels, Pflegeeinrichtungen)
Gebäude mit brennbaren Baustoffen (Holzbau, temporäre Bauten)
Bereiche mit brennbaren Stoffen (Werkstätten, Lager, Textil)
Orte mit schweren Brandfolgen (Museen, Rechenzentren, Labore)
Nordamerika
In den USA werden seit den 2000er Jahren im National Electrical Code (NEC) AFCI (entspricht funktional AFDD) für bestimmte Bereiche – z. B. Schlafzimmer – gefordert, basierend auf Prüf- und Zertifizierungsanforderungen nach UL 1699.
Wo ist AFDD besonders sinnvoll?
AFDD ist nicht zwingend „überall“ erforderlich, zeigt aber in folgenden Hochrisiko- oder Hochfolge-Szenarien großen Nutzen:
Beherbergung: Hotels, Studentenwohnheime, Pflegeheime – geringe Aufmerksamkeit im Schlaf, kurze Reaktionszeit.
Holz-/Brennstoffbau: ländliche Wohnhäuser, Modulbau, historische Holzgebäude.
Betriebe mit brennbaren Materialien: Schreinereien, Getreidesilos, Papierlager, Textilwerkstätten.
Kritische Werte/Assets: Archive, Serverräume, Museumsdepots – kleine Brände können irreversiblen Schaden verursachen.
FAQ
F: Gibt es einen Unterschied zwischen AFDD und AFCI?
A: Funktional sehr ähnlich – unterschiedliche Begriffe und Normen: AFDD (IEC 62606) vs. AFCI (UL 1699).
F: Kann AFDD den FI/RCD ersetzen?
A: Nein. Ziele sind unterschiedlich. Ideal ist eine integrierte Lösung RCBO + AFDD für Personen- und Brandschutz.
F: Schützt ein normaler MCB gegen Lichtbogenfehler?
A: Nicht zuverlässig – insbesondere Serienlichtbögen bleiben häufig unterhalb der Auslöseschwelle.
F: Gibt es Fehlauslösungen bei LED, Netzteilen, Wechselrichtern?
A: Hochwertige Geräte sind auf Störfestigkeit ausgelegt und unterscheiden typische Schaltstörungen von gefährlichen Lichtbogenmustern, wodurch Fehlauslösungen deutlich reduziert werden.
Fazit: Brandschutz beginnt im Endstromkreis
Elektrische Brandprävention ist kein „Glücksspiel“ und keine Aufgabe für die Schadensbegrenzung im Nachhinein. Der Einsatz von AFDD – insbesondere als integrierte RCBO + AFDD-Lösung wie dem EAFD5-40 von ONCCY Electrical – ist ein wirksamer Schritt, um Lichtbogenrisiken im Niederspannungs-Endstromkreis frühzeitig zu erkennen und zu beseitigen.